Pistentouren Sicher & Fair: Empfehlungen und Position des OeAV
- Statement Peter Habeler
- Gefahren, Konfliktpotenzial
- Rechtliche Hintergründe
- Die 10 Empfehlungen
- Position des Oesterreichischen Alpenvereins
- Lösungsmodell im Großraum Innsbruck
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Liebe Alpenvereinsmitglieder und Schitourenfreunde, mit der stark wachsenden Bedeutung des Schitourengehens hat in den letzten Jahren auch das Tourengehen auf Schipisten enorm an Beliebtheit gewonnen. Die Gründe dafür sind vielfältig:
- die zunehmende Gesundheitsorientierung in unserer Gesellschaft
- gute und sichere Schneeverhältnisse auf Schipisten auch wenn die Tourenbedingungen im freien Gelände schlecht sind
- der oft geringere Zeitaufwand im Vergleich zu Touren im freien Gelände und nicht zuletzt
- der Aspekt der Geselligkeit – viele Touren über Schipisten enden mit einer Einkehr auf einer Berg- oder Schihütte
Der Oesterreichische Alpenverein (OeAV) anerkennt das Schitourengehen auf Pisten als eine mögliche Bewegungsform in der Natur und als Ausdauersport. Das Aufsteigen mit Schi auf Pisten leistet einen wertvollen Beitrag für die eigene Entspannung und fördert Fitness und damit die Gesundheit.
Durch diese Form der Bewegung, verstärkt durch eine zunehmende Zahl an Aktiven, entsteht Konfliktpotenzial zwischen verantwortlichen Betreibern und Nutzern. Mögliche Gefahren während der Liftbetriebszeiten und der Pistenpräparation sind nicht auszuschließen. Daher bittet der OeAV seine Mitglieder, sich als Gast in den Schigebieten zu sehen und an die 10 Empfehlungen des Kuratoriums für Alpine Sicherheit zu halten.
Wer diese grundlegenden Verhaltensregeln für Pistengeher beachtet und als eigenverantwortlicher Bergsteiger unterwegs ist, beugt Unfällen vor und trägt gleichzeitig seinen Teil dazu bei, dass mögliche Konflikte gar nicht erst entstehen. Wir als Alpenvereinsmitglieder sollten hier mit gutem Beispiel vorangehen!
Im Namen des OeAV wünsche ich Ihnen schöne und unfallfreie Touren, ob auf Pisten oder im alpinen Gelände.
Ihr Christian Wadsack
(Präsident des Oesterreichischen Alpenvereins)
"Ich kenne die Problematik zwischen Seilbahnunternehmen, Skifahrern und Tourengehern. Damit die Pisten so toll beisammen sind, ist ein sehr großer Aufwand nötig, den es zu respektieren gilt. Daher muss ich mich als Pistentourengeher auch entsprechend fair verhalten und die 10 Empfehlungen leben. Nur so wird ein vernünftiges Miteinander gefördert. Ich finde es wichtig, dass der Oesterreichische Alpenverein hier sachliche Aufklärungsarbeit leistet und seinen Teil zu diesem vernünftigen Miteinander beiträgt."Peter Habeler
(Extrembergsteiger, Alpinschulleiter)
Gefahren, Konfliktpotenzial und rechtliche Hintergründe
Gefahren und Konfliktpotenzial
Beim Aufstieg kann es insbesondere in Steilhängen, an übersichtlichen oder engen Passagen zu Kollisionen mit Skifahrern kommen. Um Unfälle zu vermeiden, bitte für den Aufstieg immer den Pistenrand benützen und die Piste nur an übersichtlichen Stellen und mit genügend Abstand queren!
In die Piste gefrorene Abfahrtsspuren können am nächsten Tag zu Hindernissen für Skifahrer werden. Besonders im Spätwinter und Frühjahr kann das der Fall sein, wenn Spuren bei wärmeren Temperatur- und feuchteren Schneeverhältnissen tief in die Piste gefrieren. Daher auf frisch präparierten Pisten, die noch nicht verfestigt sind, bitte nur im Randbereich abfahren.
Die Pistenpräparierung mit Seilwinden ist längst nicht mehr nur auf Steilhänge begrenzt. Notwendige Hinweise zur Kennzeichnung bzw. Absperrung können unter Umständen weit von den Pistenfahrzeugen entfernt sein. Gespannte oder plötzlich schwingende Stahlseile können vor allem in der Nacht lebensgefährlich sein. Auch Beschneiungsanlagen und ihre Leitungen sowie Schneedepots können zu höchst gefährlichen Hindernissen werden. Zur eigenen Sicherheit und aus Rücksicht gegenüber dem Liftbetreiber unbedingt Pistensperren für Präparierungs- und Wartungsarbeiten sowie lokale Warnhinweise beachten und die Pisten bis zu den festgelegten Zeiten wieder verlassen.
Wer mit dem Auto zu seiner Pistentour aufbricht, sollte ausschließlich die ausgewiesenen Parkplätze benützen und allfällige Parkgebühren entrichten. Damit wird vermieden, dass Einfahrten oder Privatgrund zugeparkt wird oder nach der Skitour ein Strafmandat am eigenen Auto wartet.
zurück nach obenRechtliche Hintergründe zu Pistenskitouren
Im freien Gelände genießt der Skitourengeher in Österreich aufgrund gesetzlicher Bestimmungen für den Wald und das alpine Ödland sog. „Wegefreiheit“. Auf Skipisten im Waldbereich greift diese Wegefreiheit nicht. Durch die Rodung und die notwendige Umwidmung der Flächen im Flächenwidmungsplan verlieren Pistenflächen ihre gesetzliche Qualifizierung als Wald. Im waldfreien alpinen Gelände, in Abhängigkeit vom jeweiligen Bundesland, greift die Wegefreiheit nur eingeschränkt! Eine Ausnahme ist Vorarlberg, wo Tourengeher bei geschlossener Schneedecke ein allgemeines Recht zur Benützung von Skipisten haben.
Allerdings kann für Skitouren, die (heute) über Pisten führen, durch eine entsprechend lange Benutzungsdauer Gemeingebrauch vorliegen oder ein Wegerecht ersessen sein. Die Dauer, wie lange eine Nutzung für Skitouren bereits stattgefunden haben muss, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich und beträgt zwischen 10 und 30 Jahren.
Wer auf Pistentour unterwegs ist, trägt Verantwortung für sich, andere Tourengeher und Skifahrer. Dies gilt besonders bei Pistentouren nach Betriebsschluss („Abendskitouren“). Dann haftet der Liftbetreiber nur noch für zu dieser Tageszeit ungewöhnliche, besonders große und schwer erkennbare Gefahren.
Sperren für die Dauer der Pistenpräparierung oder Wartungsarbeiten sind rechtlich zulässig und von den Tourengehern zu respektieren! Wer dagegen verstößt, muss mit Strafen rechnen.
zurück nach obenPosition des Oesterreichischen Alpenvereins
Unabhängig von der rechtlichen Situation sollte jeder Pistengeher durch die Beachtung der „10 Empfehlungen für Pistentouren“ seinen Beitrag für ein sicheres und konfliktfreies Miteinander auf Skipisten leisten. Die gelebte Praxis in den meisten Skigebieten beweist, dass das mit Sensibilität für die Interessen des Anderen, Rücksichtnahme und Eigenverantwortung in jedem Fall möglich ist.
Der Oesterreichische Alpenverein vertritt zu Skitouren auf Pisten folgende Standpunkte:
- NEIN zu einer „Pistenmaut“ für Tourengeher während der Betriebszeiten
- JA zum freien Aufstieg während der Betriebszeiten
- JA zu begründeten zeitlichen Pistensperren (z.B. Präparierung mit Seilwinden)
- JA zu angemessenen Parkgebühren
- JA zur Erarbeitung lokaler Konfliktlösungen
Lösungsmodell im Großraum Innsbruck
Im Sinn dieser genannten Grundsätze beteiligt sich der OeAV mit seinen Landesverbänden und Sektionen gerne an der Erarbeitung und Umsetzung lokaler bzw. regionaler Lösungsmodelle. Als positives Beispiel kann die Lösung im Großraum Innsbruck angeführt werden. Das „Innsbrucker Modell“ wurde 2009 unter Mitwirkung des OeAV von einer breiten Plattform erarbeitet und umgesetzt. Demnach steht unter der Woche an jedem Abend ein spezielles Skigebiet länger für Tourengeher offen, die Pisten werden erst ab 22 Uhr präpariert. Das „Innsbrucker Modell“ hat sich bisher absolut bewährt und könnte als gutes Beispiel für andere Regionen dienen.
Hier die Tourenabende in den Skigebieten rund um Innsbruck
- Montag: Axamer Lizum/Hoadl
- Dienstag: Rangger Köpfl
- Mittwoch: Mutterer Alm
- Donnerstag: Patscherkofel
- Freitag: Seefeld/Rosshütte & Hecherhaus/Arbeser (Kellerjoch)
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Pistentouren im Großraum Innsbruck -
Salzburger Pistentourenguide
Bestellmöglichkeit
Die gedruckte Broschüre „Pistentouren Sicher & Fair – Empfehlungen und Position des Alpenvereins“ können Sie hier bestellen.
Rückfragen an:
- Michael Larcher, E-Mail: michael.larcher@alpenverein.at
- Peter Kapelari, E-Mail: peter.kapelari@alpenverein.at
- Willi Seifert, E-Mail: willi.seifert@alpenverein.at
Tel.: +43-512-59547, Fax: +43-512-575528
ZVR-Zahl 989190235
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